Was geht und was nicht geht

Timon Delawari hat auf der Info-Veranstaltung zum Projekt „MitArbeit! In Köln.“ einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Kritisiert hat er, dass nur 400 Menschen mit einer anerkannter Schwerbehinderung daran teilnehmen können. Zu seiner Kritik steht er immer noch, und ist dennoch von dem Angebot überzeugt: Seine Lebenssituation hat sich verbessert und er konnte eine neue berufliche Perspektive entwickeln.

Kommt man mit Timon Delawari (40) ins Gespräch, geht es immer auch um politische Fragen: „Warum wird nicht mehr für die Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt getan?“ „Was trägt das neue Bundesteilhabegesetz dazu bei?“ Und: „Warum gibt es so wenig erfolgversprechende Angebote für langzeitarbeitslose Menschen wie mich?“ Seine Erfahrungen mit anderen Maßnahmen des Jobcenters haben auch seine skeptische Haltung gegenüber „MitArbeit! In Köln.“ geprägt. Was ihn nicht davon abgehalten, daran teilzunehmen.

Er kritisiert allerdings nicht nur, sondern engagiert sich auch. Zuletzt unter anderem als Mitglied der Bezirksvertretung in Köln-Kalk und als stellvertretender Bürgermeister. Sein politisches Interesse war auch ausschlaggebend für seine Studienfächer Geschichte, Politik und Soziologie. Abgeschlossen hat er das Studium als Bachelor of Arts und – um seine berufliche Perspektive zu verbessern – anschließend eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondent für Englisch und Französisch erfolgreich absolviert.

Segen und Fluch zugleich

„Selbst ohne Einschränkungen ist es mit meinen formalen Qualifikationen sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt“, weiß Timon Delawari. Sein Asperger-Autismus ist Segen und Fluch zugleich: „Man sieht meine Einschränkungen nicht und ich muss sie immer erklären.“ Erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt war er immer dann, wenn er seinen Asperger-Autismus verschwiegen hat. Weil sich die Auswirkungen immer mal wieder bemerkbar machen, hilft es allerdings nicht, sie zu verschweigen. „Mit Vorurteilen auf dem Arbeitsmarkt müssen Menschen mit einer Schwerbehinderung wohl noch lange leben“, ist er überzeugt. Heutzutage traut sich kaum jemand, seine Ablehnung offen zu formulieren. Das passiert nach seinen Erfahrungen eher subtil und macht es umso schwieriger, Vorurteile aufzuweichen.

Timon Delawari benötigt eine Teilzeitarbeit, bei der er sich auf wenige Aufgaben konzentrieren kann, routinierte Abläufe möglichst ohne Ablenkungen und einen festen Ansprechpartner. Finanzbuchhalter ist zwar nicht sein Traum, aber ein Job, der gut strukturiert ist und seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten entgegenkommt. „Ich habe eine realistische Selbsteinschätzung und weiß, was beruflich geht und was nicht“, bilanziert er seine Teilnahme an dem Projekt. Durch verschiedene Fortbildungen hat er inzwischen auch Spaß an seiner zukünftigen Arbeit gefunden und freut sich auf die Umschulung.

Die Wartezeit überbrückt er mit einem Praktikum bei der Kämpgen-Stiftung. Mit der Geschäftsführerin Ingrid Hilmes hat er die Rahmenbedingungen für das Praktikum auf seine Einschränkungen konkret abgestimmt.

Ein Stück Rehabilitation

Neben der Entwicklung einer neuen beruflichen Perspektive war die Teilnahme an „MitArbeit!In Köln.“ für Timon Delawari „auch ein Stück ganzheitliche Rehabilitation“, erzählt er. Denn in den Gesprächen mit seinem Jobcoach wurden nicht nur seine beruflichen und persönlichen Stärken herausgearbeitet, sondern auch sein soziales und Helferumfeld einbezogen. „Hier hat man mir ohne Vorbehalte zugehört, sich Zeit genommen und mich ohne Druck sehr individuell betreut.“ Ein Herangehen, dass nach seiner Überzeugung für alle schwer vermittelbaren Arbeitslosen sinnvoll und notwendig ist. „Die Fallmanager im Jobcenter können das wegen der Vielzahl ihrer Fälle leider nicht leisten.“

Ganz unterschiedliche Kompetenzen und Hilfen müssen nach Überzeugung seines Jobcoachs Thomas Trier einbezogen werden um eine Beschäftigung auch langfristig zu sichern. Deswegen waren Familie und Ärzte, das Betreute Wohnen „Die gute Hand“ und die Fallmanagerin von Timon Delawari im Jobcenter immer über alle wesentlichen Schritte informiert und in wichtige Entscheidungen einbezogen. „Bei Bedarf haben wir sie zu einer gemeinsamen Fallkonferenz an einen Tisch geholt“, erzählt Thomas Trier. Wie bei allen anderen Teilnehmenden selbstverständlich nur mit deren Einverständnis und unter Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte.

„Persönlich so gefestigt wie jetzt war ich vor einem Jahr nicht. Ohne ‚MitArbeit! In Köln.‘ wäre das nicht denkbar.“ Weil er den konkreten Nutzen des Projektes selber erfahren hat, findet Timon Delawari es umso bedauerlicher, dass nur 400 Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung in Köln daran teilnehmen können.

MitArbeit! In Köln.