Etwas für den Kopf tun

In seinem früheren Berufsleben war der Versicherungskaufmann Klaus Sehlhorst (48) zuletzt Teamleiter in einem Telekommunikationsunternehmen. Voraussetzungen dafür waren Weiterbildungen unter anderem im Business-Englisch und in der EDV sowie ein Lehrgang für angehende Führungskräfte.

Er war erfolgreich und zufrieden – bis ihn 2012 eine Operation nach einem komplizierten Bandscheibenvorfall aus der beruflichen Bahn geworfen hat. Seitdem hat er eine Spastik, muss mit einer Gehschiene an Krücken gehen und ist sturzgefährdet. „Das war kein Kunstfehler“, betont er, „sondern ein absehbares Risiko durch die Verkettung unglückseliger Umstände.“

Harte Arbeit

An seinen Einschränkungen musste er in der medizinischen Reha hart arbeiten: Anfangs war er auf einen Rollstuhl angewiesen und konnte sich weder waschen noch anziehen. Heute kann er wieder gehen und bekommt seinen Alltag gut geregelt. Disziplinierte Physio- und Ergotherapie tragen dazu bei, seine körperlichen Fähigkeiten stabil zu halten. „Mein Kopf ist nach der Operation allerdings immer noch klar“, betont er.

Nach vier Jahren Reha, Krankschreibung und Arbeitslosigkeit arbeitet er seit Juni 2016 in der Auftragsannahme für Großkunden bei der Cölner Getränke GmbH & Co. KG, einem Unternehmen der Cölner Hofbräu Peter Josef Früh KG. Den Kontakt für das Projekt „MitArbeit! In Köln.“ zu Früh-Kölsch hat die Projektleiterin Martina Griese vom Jobcenter hergestellt. Klaus Sehlhorst ist nicht der einzige, der über „MitArbeit! In Köln.“ dort wieder eine Arbeit gefunden hat.

Bei allen seinen Bewerbungen hat er nicht nur seine körperlichen Einschränkungen offengelegt, sondern auch auf die Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber hingewiesen. „Trotzdem haben Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung kaum eine Chance auf Teilhabe am Arbeitsleben“, weiß er aus leidvoller Erfahrung.

Ein mühsamer Weg

Der Weg von seiner Wohnung in Kalk zu seinem Arbeitsplatz in Merkenich ist für ihn äußerst mühsam. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist er zweimal am Tag mindestens 70 Minuten unterwegs und im Gedrängel von Bus und Bahn sturzgefährdet. Ein Fahrdienst zum Arbeitsplatz ist deswegen für ihn notwendig, für die Deutsche Rentenversicherung allerdings nicht selbstverständlich.

Der erste Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zumutbar sei. Über seinen Hausarzt hat er Widerspruch eingelegt. Nach fünf Monaten wurde der Antrag schließlich doch bewilligt. In der Zwischenzeit musste Horst Sehlhorst den mühsamen Weg während seines Praktikums mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen. Sein Jobcoach Thomas Trier ärgert sich immer noch über die Bürokratie: „Wer Herrn Sehlhorst nur einmal begleitet hat, weiß, dass er auf einen Fahrdienst angewiesen ist.“

Die sehr lange Bearbeitungszeit durch die Rentenversicherung betraf auch die technischen Hilfsmittel für seinen Arbeitsplatz, auf die er einen gesetzlichen Anspruch hat. Wegen seiner Einschränkungen benötigt er ein Headset, eine Software zur Spracherkennung sowie einen passenden Bürostuhl und einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Der Termin für die Einstellung musste mehrfach verschoben werden und „nur das Verständnis bei Früh-Kölsch und die Langmut des Personalleiters Guido Fussel hat dazu geführt, dass der Arbeitsplatz für ihn nicht verlorengegangen ist“, erzählt Jobcoach Thomas Trier.

Die Ungewissheit hat Klaus Sehlhorst enorm belastet und „viel Energie und Nerven gekostet, die ich eigentlich für andere Dinge benötige“. Nicht nur die Unterstützung seines Jobcoachs bei der Bürokratie war für ihn enorm wichtig. In der Anfangszeit des Projektes gab es jede Woche ausführliche Gespräche und bei Absagen auf Bewerbungen wurde er aufgefangen. „Wenn die Chemie stimmt, entwickelt man bei einer so intensiven Begleitung schnell Vertrauen und kann auch über persönliche Dinge sprechen“, bilanziert er seine Erfahrungen mit seinem Jobcoach. „Nach langer Zeit bin ich hier mal wieder als Mensch und nicht wie eine Nummer behandelt worden.“

Gearbeitet wurde – wie bei allen Teilnehmenden – hauptsächlich an seinen Stärken. „Seine Schwächen zu kennen ist aber auch notwendig, um daran arbeiten zu können“, beschreibt Thomas Trier einen Aspekt seiner Arbeit – nicht nur mit Klaus Sehlhorst. „Damit kann aus einer vermeintlichen Schwäche eine Stärke werden.“

Zwei seiner Ziele hat Klaus Sehlhorst erreicht: „Endlich raus aus Hartz-IV sowie mir und anderen beweisen, dass ich trotz meiner Einschränkungen etwas leisten kann.“ Und ganz nebenbei hat er seinen Humor wiedergefunden.

MitArbeit! In Köln.