Den Ball flach halten

Das ist einfacher gesagt als getan. Schließlich kann Mohammed Zouari sehr ungeduldig sein. Im Rahmen von „MitArbeit! In Köln.“ ist er ruhiger geworden. Trotz (oder wegen?) seiner Ungeduld hat er schon nach sieben Monaten einen Job in der neuen Verteilerküche der LVR-Klinik in Köln-Merheim gefunden.

Die neue Verteilerküche wurde im Juni 2016 als Integrationsabteilung neu eröffnet. 16 von 36 Arbeitsplätzen sind Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung vorbehalten. Zwölf konnten über das Projekt „MitArbeit! In Köln.“ dorthin vermittelt werden. Einer von ihnen ist Mohammed Zouari (37). Dreimal am Tag werden von ihm und seinen Kollegen 650 gelieferte Mahlzeiten portioniert und auf die Stationen gebracht.

Mohammed Zouari ist halbtags dafür zuständig, dass die Wagen bis zur Anlieferung auf die Stationen für den Transport mit Eis befüllt werden. Das ist für eine gleichmäßige Temperatur der Wärmebehälter bis zur endgültigen Garung auf den Stationen notwendig. „Ich mache aber auch Arbeiten, die eigentlich nicht zu meinen Aufgaben gehören“, erzählt er. Zum Beispiel hilft er seinen Kolleginnen, wenn sie schwere Behälter zu tragen oder zu stapeln haben.

„Nach der Probezeit gab es nichts zu beanstanden, und ich habe ein großes Plus bekommen“, erzählt er stolz. Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sind ihm bestätigt worden. „Die haben mir gesagt, dass ich bis zu Rente bleiben kann“, meint er lachend. Das wären noch 28 Jahre. Dagegen hätte er nichts, so zufrieden wie er mit seiner Arbeit ist.

Ein weiter und harter Weg

Kennt man seine Geschichte, wundert man sich darüber, dass er seinen Weg gefunden hat. Sein Vater ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Nur wenige Jahre nachdem er aus Tunesien nach Deutschland gekommen war und sein ältester Sohn fünf Jahre alt war. „Das war für mich ein Schock“, erzählt Mohammed Zouari, „von dem ich mich lange nicht erholt habe.“ Seine Mutter hat ihn und seine drei Geschwister, die alle in Deutschland geboren sind, allein und zeitweise mit seinem Stiefvater großgezogen. Schon als Kind musste er deswegen viel Verantwortung übernehmen. „Das hat mich total überfordert“, erinnert er sich.

Das hatte auch Auswirkungen auf seine Schulkarriere, die er mit dem Hauptschulabschluss auf einer Förderschule beendet hat. „Seit ich 14 war habe ich mich auf der Straße herumgetrieben und bin in schlechte Kreise geraten“, erzählt er. Partys, Drogen und kleinere Delikte haben sein Leben in den folgenden Jahren geprägt. Beschäftigungen bei Schnellrestaurants, in einem Schlachthof, als Lagerarbeiter oder als Abfüller in einer Marmeladenfabrik waren deswegen immer nur von kurzer Dauer. „Die Partydrogen haben mich fertiggemacht.“ Schließlich haben sie eine Psychose bei ihm ausgelöst. Er fühlt sich manchmal verfolgt und bedroht.

Ein längerer Klinikaufenthalt war zwar sehr hart für ihn, aber auch entscheidend „um aus dem Drogensumpf rauszukommen.“ Seit sechs Jahren ist er clean und mit seinen Medikamenten sehr gut auf seine psychische Erkrankung eingestellt. „Seitdem hatte ich nur selten Arbeit, wenig Geld und noch weniger Lebensqualität. Aber es ging mir trotzdem besser als vor der Klinik und den Drogen.“

Etwas auszusetzen

Er wusste nicht mehr, an wen er sich noch alles wegen einer Arbeit wenden konnte und ist vom Jobcenter als einer der ersten in das Projekt „MitArbeit! In Köln.“ vermittelt worden. Anfangs hat er vermutet, dass es um ein betreutes Arbeitsverhältnis gehen soll. Umso erstaunter war er, dass eine feste Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in Aussicht war.

Gut betreut wurde er in den sieben Monaten seiner Teilnahme durch die vielen und intensiven Gespräche mit seinem Jobcoach, erzählt Mohammed Zouari. „Der hatte aber auch was an mir auszusetzen, weil ich oft aufbrausend war und mich schlecht verkauft habe. Ich sollte den Ball lieber flach halten, meinte er.“ Bei der LVR-Klinik hat er sich schließlich gut verkauft und einen Job gefunden. Aufbrausend kann er manchmal immer noch werden, auch wenn er schon viel ruhiger geworden ist.

Betreut werden er und seine elf Kolleginnen und Kollegen in der LVR-Klinik auch während ihrer Beschäftigung: Alle zwei Monate bieten die Jobcoaches von „Mittarbeit! In Köln.“ eine Sprechstunde für sie an. Mohammed Zouari nutzt auch das und hat sich für einen Workshop zur Stressbewältigung angemeldet. „Damit ich noch ruhiger und entspannter werde“, wünscht er sich.

MitArbeit! In Köln.