Das Kind ist geschlüpft

Sie wollte ihre Fallmanagerin im Jobcenter zu ihrer zehnjährigen Arbeitslosigkeit mit einer Torte und zehn Kerzen überraschen. Jetzt ist Birgit Koopmann selber überrascht, dass sie nach neun Monaten einen Job gefunden hat. Ihr Ziel hat sie damit erreicht. Die Torte mit nun neun Kerzen bekommen die Beschäftigten bei „MitArbeit! In Köln.“.

Ihrer Fallmanagerin im Jobcenter wird sie auch ein Stück von der Torte vorbeibringen. Schließlich hat sie Birgit Koopmann (41) auf „MitArbeit! In Köln.“ hingewiesen. Üblicherweise werden die Teilnehmenden von dort an das Projekt vermittelt. Die Kooperation mit dem Jobcenter und der regelmäßige Austausch sei selbstverständlich und sehr gut, merkt Natalia Graulich an. Als Jobcoach bei „MitArbeit! In Köln.“ hat sie sich auch für eine berufliche Perspektive für Birgit Koopmann engagiert.

Freiwillig und ohne Sanktionen

Nach neun Jahren Arbeitslosigkeit hatte Birgit Koopmann ihre Hoffnung auf einen Job bereits aufgegeben und war phasenweise deprimiert. Überzeugt und motiviert hat sie die Vorstellung des Projektes auf der Info-Veranstaltung und das anschließende Einzelgespräch mit einem Jobcoach. Darüber hinaus war für sie entscheidend, dass die Teilnahme freiwillig ist und nicht auf Sanktionen gesetzt wird.

Stattdessen standen in den neun Monaten viele intensive Gespräche mit ihrem Jobcoach im Mittelpunkt: „Mir wurde immer wieder klargemacht, dass meine Arbeitslosigkeit nichts mit mir zu tun hat, sondern der Arbeitsmarkt einfach nicht auf Menschen mit einer Behinderung eingestellt ist.“

Sauerstoffmangel bei ihrer Geburt hatten eine Spastik und Gehbehinderung zur Folge. „Der Start in das Berufsleben war deswegen sehr schwer und holprig“, erinnert sie sich. Auf eine Ausbildung zur Bürokauffrau in einem Berufsbildungswerk folgten befristete und kurzzeitige Beschäftigungen als Bürofachkraft. „Ich habe eher schlechte Erfahrungen mit meiner Behinderung in der Arbeitswelt gemacht.“

In den letzten Jahren der Arbeitslosigkeit wurden ihr „Fortbildungen ohne Ende“ vorgeschlagen, an denen sie auch alle teilgenommen hat. Zuletzt konnte das Jobcenter ihr keine Angebote mehr machen, weil sie „ausgeschult“ war.

Zwei Beschäftigungen zur Auswahl

„Nicht wenige waren nach der langen Arbeitslosigkeit und den erfolglosen Bewerbungen genauso deprimiert wie ich“, erzählt Birgit Koopmann. Durch die intensiven Gespräche bei „MitArbeit! In Köln.“ hat ihr die Erfahrung geholfen, dass es vielen so geht wie ihr. Damit hat sie ihre Zuversicht wiedergefunden. „Die Jobcoaches haben uns wieder aufgebaut, wenn wir am Boden waren.“ Besonders gut hat sie das Visioncoaching in Erinnerung, auch wenn sie in ihrem Traumberuf – „was mit Tieren“ – nicht arbeiten kann.

Ihre neu gewonnene Zuversicht und ihre vielen Bewerbungen waren erfolgreich. Zuletzt hatte sie sogar zwei Stellen zur Auswahl: als Callcenter-Agentin, wofür sie bereits ein Sprachtraining gemacht hatte, und kurz darauf als Bürofachkraft bei der Gold-Kraemer-Stiftung. „Nach neun Jahren hatte ich plötzlich die Auswahl“, ist sie immer noch erstaunt. Die Entscheidung ist ihr leichtgefallen. „Verkaufen und Beraten gehört nicht zu meinen Stärken“, schätzt sie realistisch ein. Bei der Gold-Kraemer-Stiftung hatte sie sich bereits vor drei Jahren beworben. Damals gab es allerdings keine passende Stelle für sie. Nach neun Monaten in dem Projekt hat es jetzt also geklappt. „So lange wie bei einer Schwangerschaft“, meint sie lachend.

Die Inhaber der Juwelierkette Gold Kraemer gründeten sechs Jahre nach dem Tod ihres schwerbehinderten Sohnes im Jahr 1972 die Gold-Kraemer-Stiftung. Diese fördert nicht nur Projekte, die Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen sollen. Bestandteil der Stiftung sind auch verschiedene Gesellschaften wie das Integrationsunternehmen GKS Inklusive Dienste gGmbH in Frechen. Dort arbeitet Birgit Koopmann zukünftig als Bürofachkraft und wird ein Projekt zum Thema Inklusion und Sport mitorganisieren.

„Ich finde es gut, dass es solche Angebote wie ‚MitArbeit! In Köln.‘ gibt und möchte mich für die gute Betreuung bedanken“, beendet sie das Gespräch. Mit der Vermittlung in Arbeit ist die aktive Beteiligung im Projekt für Birgit Koopmann nach neun Monaten abgeschlossen. Sie kann sich aber darauf verlassen, dass sie sich jederzeit an ihren Jobcoach wenden kann, wenn es Fragen oder Probleme gibt. So hat Natalia Graulich zum Beispiel für sie auch nach der Vermittlung noch einen Computerkurs organisiert und sie beim Antrag auf Teilhabe unterstützt.

MitArbeit! In Köln.