Räume für Begegnung

Tanja Bungter arbeitet bei der Gold-Kraemer-Stiftung und kümmert sich um das Thema Sport und Behinderung. Neuerdings wird sie von Birgit Koopmann unterstützt, die neun Monate am Projekt „Mitarbeit! In Köln.“ teilgenommen hat. Tanja Bungter berichtet über das Programm „Inklusion konkret – Sport und Inklusion“ und von der Zusammenarbeit mit ihren behinderten Kolleginnen und Kollegen.

Frau Bungter, was verbirgt sich hinter dem Programm „Inklusion konkret“?

Tanja Bungter: Das Forschungsinstitut „Inklusion durch Bewegung und Sport“ und das „Zentrum für Bewegung und Sport“ der Gold-Kraemer-Stiftung arbeiten schon seit vielen Jahren im Bereich Sport und Behinderung. Wir wissen, dass es für Menschen mit Behinderung immer noch Barrieren gibt, die die Teilhabe am Regelsport erschweren. Auf der einen Seite ist das verständlich, weil viele Menschen mit einer Behinderung sich der Skepsis und den Blicken anderer Menschen nicht aussetzen wollen und lieber unter sich bleiben.

Und auf der anderen Seite?

Tanja Bungter: Auf der anderen Seite öffnen sich viele Vereine immer mehr für Menschen mit einer Behinderung, sind dabei aber sehr unsicher. Denn sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Wir möchten mit dem Fortbildungs- und Veranstaltungsprogramm „Inklusion konkret“ Räume für Begegnungen schaffen, die dazu beitragen, Unsicherheiten abzubauen und Ideen für inklusiven Sport zu verbreiten.

Was machen Sie konkret in dem Programm?

Tanja Bungter: Wir organisieren und bieten inklusive Bewegungs- und Sportveranstaltungen sowie Fortbildungen für Multiplikatoren an, beispielsweise für Übungsleiter in Sportvereinen oder für Lehrerinnen und Lehrer an Schulen. Damit, und mit der Vorstellung erfolgreicher Projekte wollen wir Berührungsängste abbauen und eine Plattform zum Austausch bieten.

Gewissenhaft und Zuverlässig

Welche Aufgaben hat Frau Koopmann im Programm „Inklusion konkret“?

Tanja Bungter: Frau Koopmann kümmert sich um den administrativen Teil. Unter anderem organisiert sie Veranstaltungen, pflegt unsere Datenbanken, verschickt Informationen und ist Ansprechpartnerin für Teilnehmende sowie Referentinnen und Referenten.

Womit hat Frau Koopmann Sie bei der Bewerbung überzeugt?

Tanja Bungter: Mit ihrem Abschluss als Bürokauffrau hat sie gute formale Voraussetzungen für die Arbeit. Darüber hinaus hat sie während ihrer Arbeitslosigkeit eine Vielzahl von Fortbildungen im Bürobereich gemacht. Beim Bewerbungsgespräch hatten wir den Eindruck, dass sie sehr gewissenhaft ist und zuverlässig arbeitet. Dieser Eindruck hat sich in der Zusammenarbeit bestätigt.

Gab es Hindernisse für die Beschäftigung?

Tanja Bungter: Keine, die mit ihr als Person zu tun haben. Für die eigentliche Arbeit ist die Einschränkung von Frau Koopmann völlig nebensächlich. Sie ist allerdings auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und hat eine sehr weite Anfahrt zu ihrem Arbeitsplatz in Frechen. Mit ihrer spastischen Einschränkung ist das nicht einfach für sie. Das wird auch eine Herausforderung, wenn sie bei unseren Veranstaltungen vor Ort sein soll. Dafür werden wir eine Lösung finden. Schließlich müssen auch andere Menschen mit einer Behinderung den Weg zu unseren Veranstaltungen finden.

Enorm motiviert

Wie hilfreich war die Teilnahme an dem Projekt „Mitarbeit! In Köln.“ für Frau Koopmann?

Tanja Bungter: Auf die Beschäftigung hat sie sich mit ihrem Jobcoach zielgerichtet vorbereitet. Bei der Bewerbung konnte sie deswegen sehr selbstbewusst aufgetreten. Uns hat insbesondere ihre enorme Motivation beeindruckt. Nach der langen Arbeitslosigkeit ist das nicht selbstverständlich und sicherlich ein Ergebnis der Begleitung durch „Mitarbeit! In Köln.“. Ihr Jobcoach hat ihr während der Beschäftigung auch einen passenden PC-Kurs vermittelt, der für ihre konkrete Arbeit bei uns wichtig ist.

Für die Einrichtungen der Gold-Kraemer-Stiftung ist es selbstverständlich, Menschen mit einer Behinderung einzustellen?

Tanja Bungter: Paul R. Kraemer und seine Frau Katharina haben die Stiftung gegründet, weil ihr Sohn Rolf im Alter von 13 Jahren infolge einer Schwerstmehrfachbehinderung verstorben ist. Zur Stiftung gehören heute fünf gemeinnützige und ein gewerbliches Tochterunternehmen. Dort sind etwa 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon sehr viele mit ganz unterschiedlichen Behinderungen. Neben Frau Koopmann arbeiten in meinem Bereich beispielsweise auch Kollegen mit einer Sehbehinderung.

Wo sehen Sie Gründe dafür, dass Menschen mit einer Behinderung in der Arbeitswelt nicht selbstverständlich sind?

Man muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Menschen mit ihren Einschränkungen und mit ihren Fähigkeiten zum Arbeitsplatz passen. Das gilt zwar für alle, aber für Menschen mit einer Behinderung braucht man kreative oder manchmal auch unkonventionelle Lösungen. Das ist häufig mühsam, kostet Zeit und meistens auch Geld. Viele Betriebe gehen deshalb lieber den bequemen Weg und zahlen die Ausgleichsabgabe, anstatt behinderte Menschen einzustellen.

Verändern Menschen mit einer Behinderung die Kultur eines Unternehmens?

Tanja Bungter: Die Kolleginnen und Kollegen mit einer Behinderung bereichern unsere Stiftung und machen sie bunter. Wir gehen achtsamer miteinander um und nehmen mehr Rücksicht aufeinander, unabhängig davon, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht.

MitArbeit! In Köln.